Stand Februar 2011
Rhetorik für jede Lebenslage
Wer ist der Professor mit den meisten „äh“ im Vortrag? Darüber kursiert an der TH Wildau eine heimliche Hitparade. „Initiatoren dieser Professoren- und Dozenten-Bewertung sind die beiden Studenten Peter Göhre, 22, und Tom Schlansky, 23. „Hauptberuflich“ studieren sie Europäisches Management und Wirtschaftsrecht. In der Freizeit haben sie den „Rhetorik Club Wildau” ins Leben gerufen, den sie leiten. „Dabei geht es darum, dass man in der Öffentlichkeit so spricht, dass die Zuhörer gerne dem Vortrag folgen und ihn bestmöglich verstehen können“, beschreiben die beiden ihr Ziel. „Gerade an unserer Hochschule, wo es viele technische Studiengänge gibt, ist Rhetorik oftmals ein Problem“, wissen sie. Ursprünglich wollten die beiden sich selbst in freier Rede perfektionieren und besuchten deshalb ein spezielles Seminar in Adlershof. „Da haben wir aber schnell gemerkt, dass das nichts für Studenten ist. Dort ging es vor allem darum, Außendienstler fit für erfolgreiche Verkaufsgespräche zu machen.“ Also haben die beiden Studenten, die beide aus Sachsen-Anhalt stammen, ein eigenes Konzept entworfen. Seit nunmehr drei Jahren leiten sie den Rhetorik Club Wildau, der für jeden offen ist. „Komischerweise überwiegen bei uns immer die männlichen Teilnehmer“, berichtet Peter Göhre. Bekannt geworden ist der Club, der keine feste Mitgliedschaft verlangt, durch den „Rhetorik-Slam“, einen Wettbewerb, der Spaß mit Überzeugung verband. Den beiden Initiatoren geht es darum, spontanes und freies Sprechen zu üben, Vorträge ohne Lampenfieber zu halten und zu lernen, auf Kritik und Störungen souverän zu reagieren. „Gerade Naturwissenschaftler tun sich mit Reden oft schwer“, wissen Peter Göhre und Tom Schlansky. Die beiden und ihre „Schüler“ betrachten
natürlich nicht nur Professoren mit anderen Augen, sondern ebenso sehr Politiker. „Kaum einer kann sich gut äußern. Die Bundeskanzlerin gilt zu Recht als Einschlaf-Pille, wenn sie
eine Rede hält“, so das Urteil der beiden
Studenten.  Gute Noten bekommen von ihnen in dieser Hinsicht nur Gregor Gysi und Joachim Gauck. „Diese Bewertung bezieht sich aber nicht auf die Inhalte!“ Sogar das Privatleben kann mit geübter Sprechkunst einen besonderen Schwung bekommen: „Man hört sich besser zu, reagiert gelassener auf Kritik und kann dadurch mit der Freundin mehr Einklang erreichen“, berichten die beiden aus ihren Erfahrungen.
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