Stand Februar 2012
Gewichtsheber lässt Klingen kreuzen
Um ein Florett zu führen, muss man kein Hüne sein: Die Klinge darf maximal 90 Zentimeter lang sein, das Gesamtgewicht soll höchstens 550 Gramm betragen. Dennoch führt in Wildau eine besonders starke Frau in diese Kunst ein.
Andrea Schäfer (m.) kann auf Spitzenleistungen in einem Sport verweisen, der gerade fürs angeblich „schwache Geschlecht“ ziemlich unüblich ist: „Ich war 2003 Vize-Europameisterin im Gewichtheben“, verrät sie.
Stoßen und reißen
Vor dieser „European Masters“ in Bordeaux, die sie als 42-Jährige erfolgreich bestritt, hatte sie bereits 2001 mit einem dritten Platz und 2002 ebenfalls mit einem zweiten Platz auf sich aufmerksam gemacht.
„Ursprünglich hatte ich Leichtathletik gemacht. Im fortgeschritteneren Alter wollte ich weiter Sport treiben und ging ins Fitness-Studio. Dort ‚entdeckte‘ mich der Trainer für den Kraftsport.“ Zuletzt überzeugte sie mit 55 Kilogramm im Stoßen und 42,5 Kilogramm im Reißen.
Scharfe Klinge  
Als ihr dieser schwere Sport zu schwer wurde und der Arzt zum Aufhören riet, kam sie in den Bann des Fechtens. In ihrem Wohnort Cottbus befindet sich der Landesstützpunkt Brandenburg, der mit einem Netzwerk diesen Sport bekannter machen möchte.
In Wildau üben die Florett-Fechter zweimal die Woche in der etwas versteckt liegenden Sporthalle der früheren Ingenieurschule an der Friedrich Engels Straße 63. Übungsleiter sind Andrea Schäfer und der 22-jährige angehende Heilerziehungspfleger Benjamin Konnopke. Seit 2010 ist der Fechtclub Wildau eigenständig und Mitglied im Deutschen Fechterbund. „Mitmachen kann jeder, Fechten kann man in jedem Alter, egal ob Mann oder Frau“, wirbt Benjamin Konnopke.
Erfolgreiche Jung-Talente
Schnell hat sich herausgestellt, dass in Wildau echte Talente „versteckt“ sind. Darunter sind Jonas Pöhls, 13, der gerade Bronze bei den Landesmeisterschaften errungen hat und Johanna Deckert, 12, die bereits bei den Youngsters an der Spitze stand und 2012 im ersten Landesturnier gleich mal mit einem vielbeachteten vierten Platz startete.
Simona Kudick, 50, zeigt, dass man in reiferen Jahren ebenso mit scharfer Klinge überzeugen kann wie Kai-Imo Streicher, der mit acht Jahren jüngste Fecht-Hoffnung von Wildau ist.
Das Florett, mit dem in Wildau umgegangen wird, kam um 1800 in Frankreich als Übungswaffe in Mode.
Heute geht es darum, durch Geschicklichkeit und Konzentration zu erreichen, mit den stumpfen Spitzen den Gegner, der durch eine spezielle Kleidung geschützt ist, zu berühren. „Fechten ist ein Ausdauersport“, fassen Andrea Schäfer und Benjamin Konnopke zusammen.
Anfänger erhalten in Schnupperstunden Schutzkleidung und Ausrüstung kostenlos gestellt, um zu erproben, ob dieser spannende Sport etwas für sie ist.
Infos:
www.fechtclub-wildau.de 
Tel. 01 72/3 79 55 40
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