Stand Februar 2012
Mit 13 Jahren Segeln für Olympia
Hinter dem Lego-Auto sieht er aus wie ein ganz normaler kleiner Junge. Was ihn deutlich von den Altersgenossen unterscheidet, sind die unzähligen goldglänzenden Pokale, die fast schon unübersehbare Menge an Urkunden und Ehrungen, die er gleichzeitig vorweisen kann.
Mit erst 13 Jahren gilt Paul Feldhusen als eine der ganz großen Hoffnungen des bundesdeutschen Segelsports. Der zierliche, höfliche kleine Junge ist seit bereits drei Jahren Kader im Landesleistungszentrum Berlin.
Olympia im Auge
Er wird seit zwei Jahren systematisch an der Eliteschule des Sports in Berlin-Köpenick auf Spitzenleistungen für sein Land vorbereitet. Sein Ziel: „Ich will unbedingt bei Olympia mitfahren!“  
Die Liebe fürs Wasser hat der kleine Paul vererbt bekommen. Opa Holger Feldhusen war als Jugendlicher in gleich zwei Sportarten auffallend erfolgreich, im Gewichtheben und im Segeln. „Vor die Wahl gestellt, worauf ich mich konzentrieren möchte, habe ich mich fürs Wasser entschieden“, erinnert er sich. „Da es in der DDR kaum wettbewerbsfähige Boote gab, haben wir sie selbst gebaut.“
Damit schaffte Holger Feldhusen nationale Siege. Heute lebt er seine Abenteuerlust zusammen mit Ehefrau Silvia aus, indem das Paar den oft stürmischen Wellen der Ostsee trotzt und mit dem nur neun Meter langen Kielboot bis nach Dänemark und zurück fährt. „1992 haben wir sogar einen Goldpokal bei den Nordischen Meisterschaften, einer Art inoffizieller WM, gewonnen!“, so Holger Feldhusen.
Mit 5 Jahren eigenes Boot
Tochter Sandra, heute 37 Jahre, brachte es als Jugendliche zum Titel der Berliner Meisterin. Ihr Sohn Paul Feldhusen will ganz nach oben aufs internationale Siegertreppchen. Er war mit dem eigenen Segelschiff unterwegs, noch bevor ihn die Schulbank einlud.
Bereits mit sieben Jahren überraschte er als Sieger beim Flatow-Cup der gleichnamigen Eliteschule des Sports, dem Ort, wo schon in der DDR die Stars trainiert wurden. Mit acht Jahren holte er sich den Kirchmöser Ahorn-Cup. Ein Jahr später, 2009, schaffte er gleich zweimal erste Plätze, darunter die „Magdeburger Halbkugel“. Die Erfolge machten die Talent-Scouts des Deutschen Sports auf ihn aufmerksam. So kam es, dass er nun an der Eliteschule des Sports systematisch ausgebildet wird.
Sein erster Lehrer war natürlich Opa Holger Feldhusen. Heute wird er vom Profi-Trainer Martin Schlaaff vom Landesleistungszentrum Berlin betreut.
Allein gegen Wind und Wellen
Der Achtklässler kann auf mittlerweile über 60 Pokale verweisen, ist deutschlandweit an der Spitze und hat 2011 nur knapp die Qualifikation für die Europameisterschaft verpasst. Dies will er nun 2012 nachholen.
Er ist außerdem erfolgreicher Werksfahrer für „Far East Boats“, die führend bei der Herstellung von Regattabooten sind.
Obwohl erst 13 Jahre alt, beweist Paul Feldhusen, dass er weiß, sich „gegen Wellen, Wind, Strömung und Wetter“ zu behaupten. „Das wichtigste beim Segeln sind der klare Kopf, die Konzentration und dass man niemals Angst hat“, beschreibt das Nachwuchs-Talent seine Einstellung. „Kraft kommt erst an zweiter Stelle. Ich muss aber sagen, dass sie mir bei schlechtem Wetter und starkem Wind noch ein wenig fehlt. Dafür bin ich bei Leichtwetter sehr gut“, schätzt sich der Wildauer selbst ein.
WM als Nahziel
In der deutschen Rangliste steht Paul Feldhusen momentan auf Platz 9, er gehört zu den jüngsten Seglern. Wie gut er ist, das konnte er 2011 bei den traditionsreichen Frühjahrs- und Herbstregatten auf dem Müggelsee beweisen. „Dort trifft sich alles was Rang und Namen hat. Im Frühjahr holte ich in Konkurrenz zu 110 Booten den Sieg, im Herbst waren 123 Boote dabei. Ich wurde zweiter gleich nach dem amtierenden Deutschen Meister“, blickt Paul Feldhusen auf eine erfolgreiche Saison zurück.
„Mein Ziel für 2012 ist, bei den Deutschen Meisterschaften unter die ersten drei zu kommen und mich für die Weltmeisterschaft in der Dominikanischen Republik zu qualifizieren. International möchte ich unter den Top Ten sein.“
Um dahin zu kommen, wird jeden Tag systematisch trainiert. Wenn es zu Regatten geht, die über viele Länder der Welt verstreut stattfinden, dann gibt es zwar Unterrichtsbefreiung vom Sportgymnasium, doch das Lernen geht weiter: „Wir bekommen den Stoff, den die Schule in dieser Zeit behandelt, mit und müssen die Inhalte auf der Fahrt für uns selbst erarbeiten. Wenn wir zurück von den Wettbewerben kommen, testen die Lehrer, ob wir alles können“, gibt Paul Feldhusen Einblick ins anstrengende Leben eines angehenden Spitzen-Sportlers.
Das macht ihm aber nichts aus, jeder neue Pokal ist Entschädigung für die Anstrengung. Und die hohe Konzentration, die ihm das Segeln abverlangt, kommt ihm nach eigenen Angaben in der Schule zu Gute.
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