Über diese Einschätzung würden sich
nur wenige Mädchen freuen, doch
Wildaus Eisprinzessin schmunzelt noch
heute, wenn sie an ihre Anfänge denkt.

„Meine Entdeckerin sagte: Die nehmen
wir, die ist pummelig, aber ulkig!“ Nun
plant das ZDF einen Spielfilm, den die
Regisseurin Alexandra Sell in
Zusammenarbeit mit Christine Stüber-
Errath drehen möchte. „Das wird keine
Biografie über mein Leben. Der Film
behandelt eine fiktive Geschichte. Ich
bringe dabei meine Erfahrungen aus der
Welt des Eiskunstlaufs ein. Ich hoffe sehr,
dass das Projekt verwirklicht wird.
Momentan laufen die Verhandlungen über
die Finanzierung“, so die in Wildau
beheimatete Ausnahmesportlerin.    

Tanzen vor dem Fernseher

Christine Errath war im zarten Alter von
fünf Jahren beim Rollschuhlaufen auf
einer Freizeitanlage in Berlin-
Friedrichshain von Übungsleiterin
Annemarie Hansen entdeckt worden. Von
ihr stammt der legendäre Satz. „Das
begleitete mich mein ganzes Leben, ich
habe bei meinen Tiefs
immer versucht, Optimismus und gute
Laune zu behalten“, sagt Christine Stüber-
Errath. Sie erinnert sich an den „großen
Bewegungsdrang“, den sie als Kind hatte.
„Ich wollte zum Ballett, stand bei Shows
immer vor dem Fernseher und tanzte mit.“

Kleine Füße, große Ziele

Doch dazu kam es nicht, denn sie war „zu
jung“. Beim Eistanz gab es ebenfalls
einige Probleme: „Meine Füße waren sehr
zierlich. Ich hatte damals Schuhgröße 26.
Dafür gab es keine Schlittschuhe. Deshalb
musste ich immer mehrere Paar Socken
übereinander anziehen.“ Ihr Talent und
das harte Training beim „SC Dynamo
Berlin“ sorgten dafür, dass sie bereits mit
neun Jahren erfolgreich im Rampenlicht
stand. Sie war ehrgeizig, selbstbewusst,
keinesfalls auf den Mund gefallen. Nach
dem ersten großen Erfolg bei der
landesweiten Spartakiade, wie die Kinder-
und Jugendwettkämpfe in der DDR
hießen, stellte ein Journalist auf der
Pressekonferenz dem kleinen Mädchen,
wohl weil ihm nichts Schlaueres
eingefallen war, die Erwachsenen-Frage,
die jedes Kind nervt: „Was willst Du denn
mal werden?“ Die Berlinerin bewies
Schlagfertigkeit und konterte: „Meine
Ziele sind Europameisterin und
Journalistin.“

Sprungwunder

Damals hätte kaum jemand gedacht, dass
sie beides mit Bravour erreichen würde!
Tatsächlich ging sie als die
Eiskunstläuferin in die Sportgeschichte
ein, die mehr internationale als nationale
Medaillen holte. Christine Errath wurde
von 1973 bis 1975 dreimal in Folge
Europameisterin. „Den ersten Titel
gewann ich in Köln mit erst 16 Jahren,
dann in Zagreb und schließlich in
Kopenhagen“, erinnert sie sich. 1974
errang sie in München den WM-Titel. Sie
startete 1972 bei Olympia in Sapporo,
1976 errang sie in Innsbruck die
olympische Bronzemedaille. „Ich war
vorher lange krank, das konnte ich dann
nicht mehr vollständig im Training
aufholen“, bedauert sie, dass es nicht zu
Gold oder Silber reichte.

Einmalige Kombination

Den Titel als DDR-Meisterin konnte sie
hingegen „nur“ zweimal erringen. „Ich
war die einzige Berlinerin, die es in der
DDR schaffte, Weltmeisterin im
Eiskunstlaufen zu werden“, unterstreicht
die heute 57-Jährige stolz. Ihre Spezialität
war die Kombination von Dreifach-
Toeloop und Doppel-Toeloop. Christine
Errath zeigte diese schwierigen Elemente
als eine der ersten Läuferinnen weltweit.

Ewige Rivalen

Ein Problem „zu Hause“ war die Rivalität
zwischen den beiden Star-Trainerinnen
der DDR. Inge Wischnewski, die
Christine Errath betreute, hatte in ihrer
aktiven Zeit als Eisläuferin alle
entscheidenden Wettbewerbe gegen ihre
Kollegin Jutta Müller gewonnen. Beide
wurden Trainerinnen. Jutta Müller war
bereits 1946 in die SED eingetreten. Sie
schulte den Nachwuchs von ihrer Geburts-
und Heimatstadt Chemnitz aus, das
damals Karl-Marx-Stadt hieß. Inge
Wischnewski wirkte in Berlin. „Die
Preisrichter in der DDR standen mit ihrer
Wertung überwiegend auf der Seite von
Jutta Müller und ihren Schützlingen“,
erklärt sich Christine Errath das
ungewöhnliche Phänomen, dass sie
international mehr Anerkennung erhielt
als im eigenen Land.

Über Grenzen wachsen

Was bewegt ein Mädchen, seine
aufblühende Jugend dem Sport und dem
damit verbundenen harten Training zu
opfern? „Im Sport konnte ich mich mit
anderen, auch international messen. Mit
Ehrgeiz gelang es mir, über meine
Grenzen hinaus zu wachsen  und
wunderbare Siege zu feiern“, erklärt sie.
„Außerdem war es für uns ein riesiger
Anreiz, durch die Wettkämpfe die Welt
kennen zu lernen. Ich kam in Länder wie
die USA oder nach Japan, von denen man
sonst nur träumen konnte. Als besonderer
Ansporn kam hinzu, dass es nach den
Meisterschaften immer eine
Schaulauftournee gab. In vier Wochen
konnten wir so Land und Leute erleben.
Natürlich übte der Westen mit dem
Überangebot an allem, an Licht,
lebendigen Städten, Waren und Kultur,
einen großen Reiz aus. Das war eben eine
andere Welt, dort roch es anders, das war
eine komische Mischung aus Parfum und
Benzin, die in der Luft lag. Ich weiß noch,
wie wir unser Taschengeld verwendeten,
um angesagte Schallplatten, Stoffe und
modische Kleidung zu kaufen, die es bei
uns nicht gab. Doch da bleiben wollte ich
nie. Ich kam immer wieder gerne nach
Hause zurück. Ich fühlte mich wohl in
meinem Land mit den liebenswerten
bodenständigen Menschen“, gibt Christine
Stüber-Errath Einblick in ihre damalige
Seelenlage.

Uni und Kinder

Doch die Eisprinzessin wusste sich
durchzukämpfen. Sie schaffte mit 19
Jahren ihr Abitur „mit Auszeichnung“,
machte ein einjähriges Volontariat beim
DDR-Fernsehen und  errang einen der
raren Studienplätze für Germanistik an der
Humboldt-Universität in Berlin. Noch
während des Studiums gründete sie mit
dem fünffachen DDR-Tennismeister
Ulrich Trettin eine Familie, aus der
Tochter Jenny, 33, und Sohn Marcus, 30,
hervorgingen.

Topfit beim Fernsehen

Bald war sie ihrem zweiten Ziel,
Journalistin zu werden, nahe gekommen.
Sie wurde vom DDR-Fernsehen für eine
neue „Sportsendung für Kinder“
engagiert. Das Live-Magazin „Top fit“
kam bis zur Wende monatlich und ließ
Stars wie Henry Maske zu Wort kommen.

Pummelig, aber ulkig!

Stand Februar 2014

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15 Jahre Spitzenreiter

Ebenfalls Kultstatus in der DDR hatte
„Außenseiter-Spitzenreiter“, das
Hans-Joachim Wolfram 1972 aus der
Taufe gehoben hatte, um mit
anspruchsvoller Unterhaltung ein
Gegenstück zu denseichten
Schlagersendungen zu bieten. Da
standen Kuriositäten des Alltags und
Menschen mit besonderen
Fähigkeiten und Hobbys im
Vordergrund. Es gab immer wieder
verkappte Spitzen gegen die
Obrigkeit. Legendär war der Auftritt
von Co-Moderator Hans-Joachim
Wolle, der mit einem Tonband
„bekleidet“ Urlauber am FKK-Strand
nach Benimmregeln und dem
Problem, nackt den in der DDR stets
vorgeschriebenen Personalausweis
mitzuführen, fragte. Dieses
Erfolgsformat wurde nach der Wende
vom MDR weitergeführt. Es ist heute
die älteste Unterhaltungssendung im
deutschen Fernsehen. Die ehemalige
Eisprinzessin hat einen großen An-
teil am Weiterbestehen und
Erfolg der Sendung, denn sie war dort
sensationsverdächtige 15 Jahre von
1992 bis 2007 Moderatorin.

In den Mund gesehen

Nach der Scheidung 2004
heiratete sie 2006 ganz
romantisch in Venedig den Wildauer
Kieferorthopäden Dr. Paul Stüber,
der seine Praxis in Königs
Wusterhausen hat. „Als meine Kinder
klein waren, bin ich mit ihnen von
Hohenschönhausen zu ihm nach KW
gefahren, weil er ein hochgelobter
Mediziner ist. Daran erinnerte ich
mich, als ich 2006 selbst Probleme
mit den Zähnen hatte. Ich bekam
einen Termin, sah ihn nach 20 Jahren
das erste Mal wieder und es war
Liebe auf den ersten Blick!“ Seitdem
lebt das Paar im schönen Eigenheim
mit naturbelassenem Garten in
Wildau. „Ich finde diese Region sehr
reizvoll und fühle mich sehr wohl.
Ich finde, wir müssen uns alle
solidarisch dafür einsetzen, dass
unsere Gesundheit und unsere
Lebensqualität erhalten bleiben,
Deshalb gilt mein Engagement  dem
Kampf gegen Fluglärm und für ein
Nachtflugverbot“, zeigt Christine
Stüber-Errath, dass sie immer noch
viel Energie hat. Nun freut sie sich
auf ihre Mitwirkung im Film „Die
Anfängerin“ von Alexandra Sell.
Dabei geht es viel um Träume und
darum, sich in jedem Alter Träume
erfüllen zu können. Christine Stüber-
Errath geht dafür seit über
einem Jahr wieder
Schlittschuhlaufen, weil es ihr  Spaß
macht und weil sie sich den Traum
erfüllen möchte, in einem Kinofilm
mitzuwirken.

Infos:
E-Mail: stueber_errath@yahoo.de