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Einst war er der größte Verein im Ort,
der es sogar schaffte, einen erfolgreichen
Olympia-Teilnehmer an seine Spitze zu
hieven.

Die Schlagzeilen waren „Motor Wildau“
also immer sicher. Das hat sich bis heute
nicht geändert, doch in den letzten Jahren
gab es eher Trauriges zu berichten. Nach
dem mehrmaligen Schwimm-
Europameister Frank Wiegand aus
Zeuthen, der 1964 und 1968 für die DDR
olympisches Silber errang, fand der
Vielspartenverein seit 2010 keine Ruhe
mehr. Nach mehreren Vorstandswechseln
schrammte der Verein zum Jahresende nur
haarscharf an der Auf-lösung vorbei.    

Freude am Wasser

Bereits vorher war das Rumoren so groß,
dass komplette Abteilungen das
schlingernde Boot verließen. Dazu
gehörten ausgerechnet die erfolgreichen
Schwimmer, die vom Spitzensportler Frank
Wiegand trainiert wurden. „Außerdem
verließ uns die Abteilung Prellball“,
bedauert Wolfgang Laute. Ihn verbindet
mit Frank Wiegand eine ganze Menge: Wie
dieser stammt Laute aus Wildaus
Nachbarort Zeuthen, wo er
Gemeindevertreter ist und sogar Erfahrung
als Vorsitzender der SPD-Fraktion hat, aus
der die Bürgermeisterin stammt. Und er ist
begeisterter Wassersportler, wenngleich er
das kühle Nass aus einem anderen
Blickwinkel genießt. Während sich
Wiegand als Schwimmer mit eigener Kraft
durch die Fluten „kämpfte“, überlässt
Laute dies lieber dem Wind und seinem
Segelboot. Damit ist er fast so weitläufig
unterwegs wie früher Wiegand als Spitzen-
Sportler.

Eigener Nachfolger                                                                                                                                      

Seit dem Jahreswechsel steht Wolfgang
Laute „Motor Wildau” vor, als Nachfolger
von Frank Wiegand und von sich selbst.
Denn der Zeuthener war bereits 2010 schon
einmal an der Spitze, musste dann aber
nach wenigen Wochen wegen eines plötz
lichen Gesundheitsproblems zurücktreten.
Ludolf Sonnabend, begeisterter Tisch
tennisspieler, übernahm kommissarisch die
Führung, wollte aber aufgrund seines
fortgeschrittenen Alters von mittlerweile
75 Jahren unbedingt einen
Generationswechsel. Damit klappte es nur
kurze Zeit. Der neue Vorstand trat 2013
zurück, sodass der Verein erneut „kopflos“
war. „Nun ging es um die Frage, ob wir
‚Motor Wildau’ nach über 60 Jahren
auflösen sollen oder der Verein nochmals
neuen Anlauf nimmt“, beschreibt
Wolfgang Laute die Situation. „Als zu der
entscheidenden Versammlung Ende 2013
dann aber fast 70 Mitglieder kamen, soviel
wie sonst nie, wusste ich, dass es einfach
weitergehen muss“, schildert der Zeuthener
seine Gefühle. Er ist seit acht Jahren im
Verein und in der noch jungen Bowling-
Abteilung aktiv.

Viele Kinder und Senioren

„Es sind bei uns sehr viele Kinder und
Senioren organisiert. Wenn der Verein
weggefallen wäre, hätten die ein großes
Problem gehabt, Ersatz zu finden“, so
Wolfgang Laute weiter. Der neue
Vorstand, bei dem Aleksandar Perisa als
Stellvertreter, Cathrin Homann als
Schatzmeister und Christian Homann als
Jugendwart den inneren Kern bilden, ist
sich bewusst, dass nun eine anspruchsvolle
Aufgabe zu bewältigen ist: „Als erstes geht
es darum, dass in alle Abteilungen wieder
Frieden einkehrt. Dann muss sich jeder im
Verein bewusst werden, dass er mit seiner
Stimme und seinem Engagement für
sämtliche Entscheidungen mit
verantwortlich ist. Mir geht es um
Transparenz und offene Diskussionen. Ein
Verein wie „Motor Wildau” ist keine
Firma, wo einer führt und die anderen brav
machen, was der sagt“, beschreibt
Laute seine Zielrichtung.

Leichtathletik und Rad?

Der Blick nach vorne schließt ehrgeizige
Visionen nicht aus. Allerdings sind sie
weitaus bescheidener als beim Kurzzeit-
Vorstand Carsten Borowski und Gabriele
Gassner, die am liebsten gleich eine zusätz
liche Schwimmhalle in Wildau errichten
wollten obwohl das Wildorado trotz hoher
Beliebtheit rote Zahlen schreibt. „Ich denke
eher, dass wir uns für neue Sportarten
öffnen sollten. So gibt es Anfragen nach
Leichtathletik, nach einer Radabteilung,
wie es sie früher mit Paul Dinter schon mal
gab und nach Gesundheitssport, der immer
wichtiger wird, da wir viele Senioren
haben“, hat sich der neue Motor von
„Motor Wildau“ auf die Fahnen  
geschrieben.

Demokratie & Gemeinschaft

Damit dieser Motor nicht wieder zu
Stottern beginnt, soll im Verein eine neue
Gemeinsamkeit entstehen. „Bisher gibt es
wenige Kontakte über die Abteilungen
hinaus. Doch egal ob Ballsport, Turnen
oder Tanz, eine gewisse Grundfitness ist
überall nötig. Also könnte man doch dies
als gemeinsames Training für alle
machen“, hat sich Jugendwart Christian
Homann ausgedacht. Ob das dem Wunsch
der Mitglieder entspricht? Das wird
vielleicht schon die nächste Versammlung
im Frühjahr zeigen. Dort sollen dann
erstmals die Eltern der vielen
minderjährigen Mitglieder Rederecht
haben: „Wir hatten bisher die Situation,
dass die Kinder, weil zu jung, nicht
stimmberechtigt waren und ihre Eltern
nicht mal mitreden durften, weil ja nicht sie
sondern die Kinder Mitglieder sind. Das
wollen wir nun verbessern“, nennt das neue
Führungsquartett einen Ansatz, mit dem sie
wieder Schlagzeilen machen könnten,
ausnahmsweise positive! Sportlicherseits
bietet der Verein mit den Abteilungen
Tischtennis, Karate, Schach, Bowling,
Freizeitfußball, Turnen sowie Tanz und
Bewegung ein großes Spektrum für viele
Interessen. Mit 350 Mitgliedern bildet
„Motor Wildau“ einen wichtigen
Motor im Sportgeschehen der jungen
Dahmestadt.

Infos:

Tel. 033762/9 28 28
www.svmotorwildau.de

Traditionsverein gerade noch gerettet?

Stand Februar 2014

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