Dies ist ein Archiv-Eintrag aus dem Jahre 2016!

Sopranistin Juliane Kunzendorf
Juliane Kunzendorf, Elke Kunzendorf, Hendrik Thalheim, Frank Schwemmer, Benjamin Doppscher, Claudia Herr
Telefon:01 76/63 19 34 65
Website:www.juliane-kunzendorf.de

Jungbrunnen für „verstaubte“ Klassik

Stand: März 2016

Eine junge Wildauerin will mit zarter Stimme die Klassik entstauben und revolutionieren! Die auftrittserfahrene Sopranistin hat sich vor­genommen, neues Leben auf etablierte Bühnen und in Konzertsäle zu bringen.

Im Gegensatz zu modernen Regisseuren, die mit oft skandalumwitterten Inszenierungen die alten Meister der Klassik von Wolfgang Amadeus Mozart bis zu Ludwig van Beethoven optisch mit Schock­effekten und viel Blut auf neue Füße stellen, möchte Juliane Kunzendorf allein mit ihrer zarten Stimme neue Trends auf den Weg bringen. Sie will in der Klassik das verankern, was im Jazz oftmals zum guten Ton gehört, nämlich die Improvisation.

Noten entstauben
Das bedeutet, dass die Noten kein Gesetz mehr sind! „Ich habe wenig Lust, alles so zu singen, wie es schon tausende Male gemacht worden ist. Jedes Publikum empfindet doch anders. Darauf sollte ein Sänger eingehen“, verblüfft sie. Mit diesen revolutionär klingenden Ansichten weiß sie sich erstaunlicherweise im Einklang mit der guten alten Zeit: „In der Renaissance und später im Barock war es üblich, dass Sänger die Stücke durch viel Improvisation so vortrugen, dass dies den Nerv der jeweiligen Zuhörer traf. Dadurch unterschieden sich die Interpreten wie heute die Popmusiker.“

Singendes Baby?
Ob sie darauf in der Schule gekommen ist? Schließlich kann Juliane Kunzendorf auf eine sehr fundierte Ausbildung sowie weltweite Auftrittserfahrung verweisen. Ihr Gesangstalent führt sie auf elterliche Gene, insbesondere von Mutter Elke Kunzendorf, zurück. Deren Lust auf aktive Musik war allerdings immer auf die Freizeit beschränkt. Doch sie führte dazu, dass die kleine Juliane früh fröhlich zu zwitschern wie ein Vöglein begann. „Ich habe gesungen, bevor ich richtig mit dem Sprechen begann“, schmunzelt sie.

Bunter Durchbruch
Wie groß die Entwicklungsmöglichkeiten sein können, zeigt sich exemplarisch bei Gisela-Margret Obst. Sie begann, wie die meisten anderen Kreativen in dem Verbund, als ambitionierte Autodidaktin. Die Faszination für Kunst war so stark, dass sie im beruflichen Ruhestand ein Kunststudium als Fernlehrgang absolvierte. Heute sind ihre Bilder so eigenständig und gefragt, dass sie sogar eine eigene Galerie in Berlin hat, die sie vertritt.

Fundierte Ausbildung
Mit Unterstützung der Mutter und von Vater Hendrik Thalheim kam es zu einer konsequenten musikalischen Entwicklung. Auf die musikbetonte Grundschule folgte das Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium in Berlin, wo sie 2004 Abitur machte. Sie studierte an der Humboldt-Universität Musikwissenschaft, unterlegte dies mit Französisch und Italienisch in Potsdam. Schließlich ist es die Sprache der Römer, in der viele Opern gesungen werden. 2009 kam Gesangs­pädagogik dazu.

International unterwegs
Parallel zur „harten Schulbank“ überzeugte Juliane Kunzendorf mit Auftritten. „Ich habe von der Grundschule an regelmäßig in Chören gesungen. Mit den Jahren hatte ich zunehmend Solopartien.“ So tritt sie oft mit der „Berliner Singakademie“ auf und war mit diesem renommierten Chor in so arrivierten Stätten wie dem „Konzerthaus Berlin“ am Gendarmenmarkt oder der „Berliner Philharmonie“ zu erleben. Ausgedehnte Tourneen brachten sie „durch halb Europa, in die USA und nach Korea“. Sie war vom „Städtischen Musikverein Gütersloh“ und für eine Kammeroper im Schloss Rheinsberg engagiert.

Alt und neu
Ihre Experimentierfreude sieht man daran, dass sie ein großes Faible für „Neue Musik“ hat, die allerdings aufgrund der „ungewohnten Töne“ ein eher kleines Publikum begeistert. So überzeugte sie in „Magnificat. Biblischer Dialog“ für zwei Soprane und Sprechchor von Frank Schwemmer sowie in der Unterwasser-Oper der Zeuthnerin Claudia Herr. Sehr spannend wird es, wenn sie zusammen mit Gitarrist Benjamin Doppscher als Duo „Due Musici“ auftritt. Spezialität ist es, Barockmusik mit Jazzelementen zu verbinden.

Schwung für die Ausbildung
Schade nur, dass Juliane Kunzendorf momentan mit Auftritten sehr geizt. Statt die Stimme zu erheben, schwingt sie gerade intensiv die Feder für die Diplom-Arbeit. Da geht es um „Improvisation in der Gesangsausbildung“. Damit möchte sie wissenschaftlich unterlegen, dass Klassik viel lebendiger sein kann, als viele sie heute erleben. Sollte Juliane Kunzendorf damit überzeugen, würde Wildau zur Wiege von entstaubter „Klassik für heute“ werden!