Stand April 2011
Kunst auf zwei Rädern
Zeuthen ist dabei, sich zur Metropole einer ebenso spannenden wie ungewöhnlichen Sportart zu entwickelt. Von hier aus ist ganz neu eine der Großen im Kunstradfahren aktiv.
Mareike Westermeier gehört in dieser Disziplin zu den erfolgreichsten Sportlerinnen von Ostdeutschland. Sie war mehrfach DDR-Meisterin, erstmals im zarten Alter von 14 Jahren, und schaffte es, sich für die gesamtdeutsche Meisterschaft zu qualifizieren. „Ich fuhr im Duo mit meiner Schwester Korona. Wir erhielten als einzige einen Sonderpokal, weil wir die wenigsten Fehler hatten“, erinnert sich die Wahl-Zeuthenerin zurück. „Eine echte Chance auf einen Spitzenplatz hatten wir damals keine, weil unsere Ost-Räder den westdeutschen einfach haushoch unterlegen waren!“
Schwierige Balance
Nun will die Spitzensportlerin ihre Kenntnisse aus einem Marketing-Studium dazu nutzen, diesen ursprünglich in  Zirkusarenen bestaunten Sport bekannter zu machen.
„Erst denkt jeder, Fahrrad, das ist doch nichts besonderes. Doch wenn man Kunstradfahren erlebt, dann halten alle die Luft an. Da jeder mal eigene Erfahrungen mit dem Fahrrad gesammelt hat, können alle Zuschauer beurteilen, was wir machen. Jeder weiß vom Problem, die Balance zu halten, nicht zu stürzen und hat schon seine Erfahrungen gesammelt. Wir turnen auf speziellen Fahrrädern ohne Bremse, wo das Pedal in der Bewegung immer mitläuft.“ Zu den atemberaubenden Kunststücken gehört auf dem Lenker oder dem Sattel zu balancieren, eine zweite Person auf den Schultern zu haben oder Drehungen auszuführen.
Drei Schwestern auf einem Rad
Mareike Westermeier entstammt einer sportbegeisterten Familie. Sie hat erste Sporen im Kindergartenalter mit Geräteturnen erworben. „Meine Mutter war Nationaltrainerin der DDR für Kunstrad, sie brachte mir diese Sportart näher“, erinnert sie sich. Die Begeisterung übertrug sich auf die jüngeren Schwestern Korona, heute 29 Jahre und Ramona, heute 23 Jahre alt. „Wir waren die einzigen drei Schwestern, die in diesem Sport gemeinsam auftreten konnten“, so Mareike Westermeier. „Das Besondere ist, dass das Rad relativ klein ist und es nicht einfach ist, drei Personen darauf unterzubringen, die sich dann noch bewegen!“
Star im Kessel Buntes
Um das zu schaffen, gilt es konsequent zu üben: „Man muss mindestens fünfmal die Woche trainieren. Es handelt sich hier um einen Leistungssport, der Mut, Kraft, Ausdauer, Reaktionsvermögen und Schnelligkeit gleichzeitig erfordert.“
Außerdem sind Disziplin und Ausdauer gefragt: „Es dauert oft ein Jahr, bis eine Übung perfekt sitzt.“
Die besondere Fähigkeit machte Mareike Westermeier bereits als Kind bekannt. So wurde sie als Elfjährige von Achim Mentzel in den Palast der Republik geladen, als dieser 1988 dort die DDR-Kultsendung „Ein Kessel Buntes“ moderierte und begeisterte damals Millionen von ostdeutschen Fernseh-Zuschauern.
Im Ausland auf zwei Rädern
Selbst als sie 1995 dem Wettkampfsport adé sagte, war sie gefragt: Es kam zu Auftritten in Griechenland und Sri Lanka oder bei den Special Olympics in Berlin. Manche Prominente wollen von ihr für die Bühne trainiert werden: „Es gab eine Anfrage von Florian Silbereisen, am Ende entschied er sich aber dafür, Feuerspucken zu lernen.“
Attraktion beim Kinderturnen
Sie selbst hat „eine kleine Ecke“ in der Zeuthener Mehrzweckhalle erobern können, um während des Kinderturnens wieder regelmäßig zu trainieren. „Da bin ich dann die große Attraktion“, schmunzelt sie.
Erst kürzlich war Mareike Westermeier wieder im Fernsehen zu sehen, in der Pro Sieben Wissenschaftssendung Galileo: „Dabei ging es um die Frage, ob man es schafft, freihändig in
einer Halfpipe zu fahren.“
Die Tricks der TV-Magazine
Sie erinnert sich noch mit Schaudern an den fünfstündigen Dreh bei ein Grad Kälte und die Show-Ideen der TV-Macher: „Mir wurde jedes Wort in den Mund gelegt. Ich wurde zu Stürzen gezwungen, da dies wohl recht actionartig rüberkam. Bei der Kälte war das aber extrem schmerzhaft!“
Ihr Fazit: „Freihändig in der Halfpipe, das geht nicht.
Außerdem habe ich gelernt, dass man nicht alles glauben darf, was im Fernsehen gezeigt wird.“
Die Mutter einer 20 Monate alten Tochter fühlt sich in Zeuthen sichtlich wohl: „Mein Freund und ich lieben Wassersport. Von unserer Mietwohnung aus sind es nur wenige Schritte zum Steg. Meine kleine Tochter fühlt sich pudelwohl in der Kita. Zudem ist die Berlin-Nähe sehr angenehm.“
Nun ist sie dabei, Kunstradfahren durch Show-Veranstaltungen bekannter zu
machen. Man kann sie selbst engagieren oder prominente Fahrer, darunter einen Vizeweltmeister, sehen.
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